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Neu in der Führungsrolle

Vom Mitarbeiter zur Führungskraft im Startup: Die ersten 90 Tage als Teamlead

Von Sandra-Lorena Bahlmann · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert: Oktober 2026

Kurz gesagtDie ersten 90 Tage als Teamlead im Startup lassen sich grob in drei Phasen teilen: In den ersten 30 Tagen klärst du deine Rolle und lernst dein Team in 1:1s kennen. In Tag 31 bis 60 baust du einen Rhythmus auf und fängst an, wirklich zu delegieren. In Tag 61 bis 90 übernimmst du Ownership für Entscheidungen, Prioritäten und die Entwicklung deines Teams.

Du warst richtig gut in deinem Job, und jetzt bist du Teamlead. Glückwunsch! Und gleichzeitig: Willkommen im schwierigsten Jobwechsel, den viele in ihrer Karriere machen. Denn ab jetzt wirst du nicht mehr daran gemessen, was du selbst schaffst, sondern daran, was dein Team schafft.

Im Startup kommt dazu: Es gibt selten ein Onboarding für neue Führungskräfte, die Gründer haben wenig Zeit, und alles ändert sich ständig. Dieser Plan hilft dir, die ersten 90 Tage bewusst zu gestalten.

Warum der Start als Teamlead im Startup anders ist

  • Du führst oft deine Ex-Peers. Die Leute, mit denen du gestern noch Mittag gegessen hast, berichten jetzt an dich.
  • Du arbeitest weiter operativ mit. Anders als im Konzern bist du oft „Player-Coach“: halb Fachkraft, halb Führungskraft.
  • Die Rolle ist selten klar definiert. Was du entscheiden darfst und was nicht, steht oft nirgends, und es ändert sich ständig.
  • Es gibt wenig Struktur. Keine Leadership-Trainings, keine Feedback-Prozesse, keine Vorlagen. Vieles musst du selbst aufbauen.

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Führen im Startup heißt: enablen statt anordnen

Führung im Startup unterscheidet sich stark von Führung im Konzern. Sie ist selten top-down, sondern oft bottom-up und agil. Viele Entscheidungen triffst du gemeinsam mit deinem Team. Und oft führst du Fachleute, die in ihrem Bereich fachlich besser sind als du. Deine Aufgabe ist dann nicht, alles vorzugeben, sondern ihnen Raum zu geben, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und für Klarheit zu sorgen: Wohin wollen wir, was ist gerade wichtig, wer entscheidet was?

Genau das macht den Start für viele neue Teamleads schwer. Sie dachten, Führen heißt sagen, wo es langgeht. Im Startup heißt es eher: dafür sorgen, dass gute Leute gut arbeiten können und Ziele erreicht werden.

Tag 1–30: Zuhören und Rolle klären

Im Startup verändert sich ohnehin ständig etwas. Umso wichtiger ist es, nicht noch zusätzlich alles umzukrempeln, bevor du dein Team wirklich verstanden hast. Nimm dir zuerst Zeit, zuzuhören.

Kläre deine Rolle mit deiner Führungskraft oder den Gründer

Bitte um ein Gespräch mit genau diesen Fragen:

  • Wofür bin ich ab jetzt verantwortlich, und woran wird mein Erfolg in 3 und 6 Monaten gemessen?
  • Was entscheide ich allein, was gemeinsam mit dir, was gar nicht?
  • Wie viel meiner Zeit soll ich noch operativ arbeiten?
  • Wie oft sprechen wir, und worüber?

Schreib die Antworten auf und schick sie danach als kurze Zusammenfassung. Im Startup werden sich die Antworten in ein paar Monaten wieder ändern, und das ist okay. Wichtig ist, dass ihr regelmäßig darüber sprecht.

Führ 1:1s mit jedem im Team

Ein erstes, längeres Gespräch mit jeder Person im Team, auch wenn ihr euch schon lange kennt. Gute Fragen dafür:

  • Was läuft gut im Team, was nervt dich?
  • Woran arbeitest du gerade am liebsten, wo willst du hin?
  • Was brauchst du von mir, und was sollte ich auf keinen Fall tun?

Danach: regelmäßige 1:1s, zum Beispiel alle zwei Wochen 30 Minuten. Das ist das wichtigste Führungswerkzeug, das du hast.

Tag 31–60: Rhythmus aufbauen und delegieren

Lerne, wirklich zu delegieren

Fast alle neuen Teamleads machen zu viel selbst. Es fühlt sich schneller an, und du weißt ja, wie es geht. Das Problem: Dein Team wächst nicht, und du wirst zum Engpass.

Ein einfacher Start: Nimm drei Aufgaben, die du gerade selbst machst, und übergib sie bewusst. Erkläre das Ziel, nicht jeden Schritt. Vereinbare, wann ihr drauf schaut. Und halte aus, dass es am Anfang anders gemacht wird als von dir.

Gib früh Feedback, positiv und kritisch

Feedback wird schwerer, je länger du wartest. Gewöhn dir an, zeitnah und konkret zu sein: Was genau ist passiert, welche Wirkung hatte es, was wünschst du dir? Ein bekanntes Modell dafür ist Radical Candor von Kim Scott: Du zeigst, dass dir die Person wichtig ist, und sagst trotzdem klar, was nicht passt. Und vergiss das positive Feedback nicht. Neue Teamleads sparen oft genau daran.

Setz Prioritäten im Startup-Chaos

Im Startup ist immer zu viel zu tun. Deine Aufgabe ist jetzt, mit deinem Team zu klären, was wichtig ist und was warten kann. In vielen Startups passiert das agil und gemeinsam, zum Beispiel in einer kurzen wöchentlichen Runde mit den Top-3-Prioritäten. Du sorgst dafür, dass diese Entscheidung überhaupt getroffen wird und mit den Zielen des Unternehmens zusammenpasst.

Tag 61–90: Den Rahmen festigen

Ownership übernimmst du im Startup natürlich nicht erst ab Tag 61, sondern vom ersten Tag an. In dieser Phase geht es darum, dass deine Rolle sichtbar und stabil wird:

  • Sorg dafür, dass entschieden wird. Allein oder mit dem Team, aber nicht endlos vertagt. Eine gute Entscheidung heute ist im Startup oft besser als eine perfekte in drei Wochen.
  • Vertritt dein Team nach außen. In Meetings mit anderen Teams oder den Gründer sprichst du jetzt für dein Team, nicht nur für dich.
  • Denk an Hiring und Onboarding. Wenn dein Team wächst, bist du verantwortlich dafür, wer dazukommt und wie gut diese Menschen starten.
  • Zieh Bilanz. Nach 90 Tagen: ein ehrliches Gespräch mit deiner Führungskraft. Was läuft, was nicht, was ist der Fokus für die nächsten 3 Monate?

Ex-Peers führen: So klappt der Rollenwechsel

Für viele ist das der schwierigste Teil. Ein paar Dinge helfen:

  • Sprich es offen an. „Für uns beide ist das neu. Mir ist wichtig, dass wir weiter offen miteinander reden können.“
  • Bleib auf Augenhöhe, aber übernimm Verantwortung. Im Startup arbeitet ihr weiter auf Augenhöhe, und du gibst den Fachleuten im Team Raum. Neu ist: Wenn etwas hakt oder eine Entscheidung ansteht, bist du jetzt diejenige, die dafür sorgt, dass es weitergeht.
  • Behandle alle gleich. Gerade wenn du mit einzelnen im Team befreundet bist, achte darauf, niemanden zu bevorzugen.

Die 5 häufigsten Fehler neuer Teamleads im Startup

  1. Alles selbst machen statt zu delegieren.
  2. Keine 1:1s, weil „wir eh den ganzen Tag reden“.
  3. Feedback aufschieben, bis es eskaliert.
  4. Jede Entscheidung nach oben geben, aus Angst, falsch zu liegen.
  5. Die eigene Rolle nie klären und sich dann wundern, warum es Reibung gibt.

Du musst das nicht allein herausfinden

Viele neue Teamleads wursteln sich durch die ersten Monate, weil niemand sie vorbereitet. Ein Coaching kann den Einstieg deutlich schneller und entspannter machen. Woran andere Leader mit mir gearbeitet haben, siehst du in meinen Leadership Stories.

Wenn du Gründer bist und überlegst, ob Coaching für deinen neuen Teamlead sinnvoll ist, lies hier weiter: Startup Coaching für neue Führungskräfte: Wann es sich lohnt. Und was so etwas kostet, steht hier: Was kostet Leadership Coaching?

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Häufige Fragen

Was sollte ich als neuer Teamlead in den ersten 30 Tagen tun?

Vor allem zuhören und klären: deine Rolle mit deiner Führungskraft oder den Gründer besprechen und mit jeder Person im Team ein ausführliches 1:1 führen. Im Startup verändert sich ohnehin viel, also musst du nicht gleich zusätzlich alles umbauen.

Wie führe ich ehemalige Kolleginnen und Kollegen?

Sprich den Rollenwechsel offen an, bleib auf Augenhöhe und gib den Fachleuten im Team Raum. Neu ist, dass du dafür sorgst, dass Entscheidungen getroffen werden. Behandle alle im Team gleich, auch die, mit denen du befreundet bist.

Wie oft sollte ich 1:1s mit meinem Team machen?

Ein guter Start sind 30 Minuten alle ein bis zwei Wochen pro Person. Wichtiger als die Länge ist, dass sie regelmäßig stattfinden und nicht ständig verschoben werden.

Wie viel sollte ich als Teamlead noch operativ arbeiten?

Das hängt von Teamgröße und Startup-Phase ab. Kläre es ausdrücklich mit deiner Führungskraft, statt es nebenbei zu entscheiden. Je größer das Team, desto weniger operative Arbeit.

Hilft ein Coaching beim Einstieg in die Führungsrolle?

Ja, besonders wenn es kein internes Leadership-Programm gibt. Im Coaching arbeitest du an deinen echten Situationen und wirst so schneller sicher in der neuen Rolle.

Sandra-Lorena Bahlmann

Sandra-Lorena Bahlmann ist Leadership- und Career-Coach für Tech-Startups in Berlin. Mehr über ihr Leadership-Coaching für Startups → Sie war Co-Founderin eines Tech-Startups, hat cross-funktionale Marketing-Teams von bis zu 10 Mitarbeitenden in B2B-SaaS-Startups geführt und Teams durch Post-Merger-Integrationen begleitet. Heute coacht sie First-Time Leader und High Performer in Tech-Startups, mit über 800 Coaching-Stunden und 35+ Empfehlungen auf LinkedIn.

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