In Startups passiert Beförderung oft so: Jemand ist richtig gut im Job, das Team wächst, und plötzlich ist diese Person Teamlead. Kein Onboarding für die neue Rolle, kein Leadership-Programm, keine Zeit. Ab Montag führt sie die Leute, mit denen sie gestern noch gemeinsam an Tickets gearbeitet hat.
Manchmal klappt das. Oft landet aber ein Teil der Probleme wieder bei dir: Rückfragen, Konflikte, Entscheidungen, die niemand treffen will. Genau hier setzt Führungskräfte-Coaching für Startups an.
Was ist Startup Coaching?
Startup Coaching ist Coaching, das auf die Bedingungen im Startup zugeschnitten ist: schnelles Wachstum, wenig Struktur und Rollen, die sich ständig verändern. Es gibt zwei Formen: Coaching für die Gründer selbst und Coaching für die Führungskräfte im Team. In diesem Artikel geht es um die zweite Form, also um neue Teamleads. Du suchst Coaching für dich als Gründer? Dann geht es hier zum Startup Coaching für Gründer und Co-Founder.
Warum neue Führungskräfte im Startup es besonders schwer haben
In großen Unternehmen gibt es für neue Führungskräfte meist ein Programm: Trainings, Mentorinnen und Mentoren, Coachings, eine große HR-Abteilung, klare Prozesse. Im Startup fehlt das fast immer. Oft kümmern sich ein oder zwei Leute im People-Team um alles: Payroll, Recruiting, Onboarding, Verträge, Benefits, Offboarding. Für Leadership-Entwicklung bleibt da kaum Zeit. Dazu kommen ein paar Dinge, die es zusätzlich schwer machen:
- Beförderung nach Fachleistung. Die beste Entwicklerin wird Engineering Lead, der beste Seller wird Sales Lead. Führen ist aber ein anderer Skill als fachlich stark zu sein.
- Ex-Peers führen. Gestern Kollege oder Kollegin, heute Chef oder Chefin. Das verändert Beziehungen, und viele neue Teamleads trauen sich deshalb nicht, klar zu sein.
- Alles ändert sich ständig. Neue Prioritäten, neue Leute, vielleicht ein Merger oder ein Restructuring. Führen in Veränderung ist die Königsdisziplin, und sie kommt im Startup oft im ersten Monat.
- Die Gründer haben keine Zeit. Du willst unterstützen, aber du hast Kunden, Investoren und Hiring auf dem Tisch.
- Führung funktioniert anders. Im Startup wird selten top-down geführt. Neue Teamleads müssen enablen statt anordnen, Fachleuten Raum geben, die fachlich teils besser sind als sie selbst, und oft gemeinsam mit dem Team entscheiden. Das lernt man nicht nebenbei.
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5 Anzeichen, dass dein neuer Teamlead Coaching braucht
- Die Fragen kommen weiter zu dir. Das Team fragt am Teamlead vorbei direkt dich, oder der Teamlead leitet alles an dich weiter.
- Der Teamlead macht die Arbeit lieber selbst. Delegieren fühlt sich langsamer an, also bleibt es liegen. Das Ergebnis: Überstunden und ein Team, das nicht wächst.
- Schwierige Gespräche werden vermieden. Feedback kommt zu spät oder gar nicht, Konflikte schwelen.
- Entscheidungen bleiben hängen. Aus Angst, falsch zu liegen, wird abgewartet oder alles hochgereicht.
- Dein bester Mensch wirkt erschöpft. Die Person, die du befördert hast, weil sie so gut war, wirkt plötzlich unsicher oder ausgebrannt.
Wenn du zwei oder mehr davon siehst, verlierst du gerade Zeit und Performance, deine eigene und die des Teams. Wie viel Zeit das bei dir ist, kannst du mit dem Rechner auf meiner Leadership-Seite abschätzen.
Coaching, Training oder Mentoring: Was passt wann?
Die drei werden oft verwechselt. Sie lösen unterschiedliche Probleme:
| Coaching | Training | Mentoring | |
|---|---|---|---|
| Format | 1:1, über mehrere Wochen | Gruppe, meist 1–2 Tage | 1:1, oft informell |
| Inhalt | die echten Situationen dieser Person | allgemeine Modelle und Frameworks | Erfahrung und Ratschläge der Mentor |
| Gut für | Verhalten im Job verändern | Grundwissen für viele auf einmal | Netzwerk und Orientierung |
| Grenze | kostet mehr pro Person | Transfer in den Alltag fehlt oft | hängt stark von der Mentor ab |
Für eine neue Führungskraft im Startup ist Coaching meist der schnellste Weg, weil es an dem arbeitet, was diese Woche wirklich passiert. Ein Training kann gut ergänzen, ersetzt es aber selten.
Wann sich Coaching nicht lohnt
Coaching ist kein Allheilmittel. In diesen drei Situationen würde ich dir eher davon abraten:
- Die Person will es nicht. Coaching wirkt nur, wenn jemand etwas verändern möchte. Wird es „verordnet“ und die Person sieht keinen Sinn darin, bringt es wenig.
- Die Entscheidung ist eigentlich schon gefallen. Wenn du innerlich schon weißt, dass die Person die Rolle abgeben oder das Unternehmen verlassen muss, ist Coaching der falsche Weg. Dann braucht es ein klares Gespräch, kein Coaching.
- Das Problem ist strukturell. Wenn das Team seit Monaten unterbesetzt ist und alle am Limit arbeiten, löst Coaching das nicht. Dann musst du zuerst an Hiring, Budget oder Prioritäten ran. Coaching kann den Teamlead dabei unterstützen, aber nicht die fehlenden Leute ersetzen.
Und was ist mit dir als Gründer?
Ehrlich gesagt: Oft beginnt Leadership im Startup bei den Gründer. Wenn du merkst, dass du schwierige Gespräche aufschiebst, schwer loslassen kannst oder dein Co-Founder-Team bei Entscheidungen hakt, kann Coaching auch für dich sinnvoll sein. Die Themen sind oft dieselben wie bei deinen Teamleads: delegieren, Verantwortung abgeben, gemeinsam entscheiden.
Dazu kommen Themen, die nur Gründer kennen: der Druck von Investoren, das Gefühl, mit den eigenen Fragen allein zu sein, oder die Rolle als Co-Founder ohne Geschäftsführung. Mehr dazu in meinem Artikel Coaching für Startup-Gründer und Co-Founder: Wenn du mit deinen Themen allein bist.
Wie ein gutes Leadership-Coaching abläuft
So arbeite ich mit neuen Führungskräften in Startups. Andere Coaches arbeiten anders, aber diese Bausteine solltest du in jedem guten Angebot wiederfinden:
- Alignment Call zum Start (mit dir oder People/HR). 20 Minuten: Was ist der Kontext, was soll sich in 3 Monaten verändert haben?
- 8 × 60 Minuten 1:1-Coaching über 3 Monate. Erst wöchentlich, dann alle zwei Wochen. Gearbeitet wird an echten Situationen: das schwierige Gespräch von Dienstag, die Entscheidung, die seit drei Wochen hängt.
- Feedback Call am Ende. 20 Minuten: Was hat sich verändert, wo geht es weiter?
- Vertraulichkeit. Was die Führungskraft persönlich teilt, bleibt im Coaching. Mit dir wird über Ziele und Fortschritt gesprochen, nicht über Inhalte.
Was so etwas kostet und welche Formate es gibt, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben: Was kostet Leadership Coaching?
Woran du einen guten Coach für Startups erkennst
- Startup-Erfahrung. Wer selbst in einem Startup geführt hat, versteht Tempo, Chaos und fehlende Strukturen, und muss sich das nicht erst erklären lassen.
- Ein klarer Rahmen. Feste Dauer, klare Themen und eine Abstimmung am Anfang und am Ende sind besser als ein offenes „Wir schauen mal“.
- Vertraulichkeit, die klar geregelt ist. Deine Führungskraft muss offen sprechen können, sonst bringt das Coaching wenig.
- Echte Referenzen. Empfehlungen von Menschen, die man nachprüfen kann, zum Beispiel auf LinkedIn.
- Ein unkomplizierter Start. Ein kurzer kostenloser Call, und es kann losgehen, auch für mehrere Leader auf einmal.
Beispiele aus der Praxis
Woran Führungskräfte mit mir gearbeitet haben, vom Einstieg ins Co-Leadership mitten in einer Post-Merger-Integration bis zur Rollenaufteilung im Gründerteam, siehst du in meinen Leadership Stories.
Was du als Gründer jetzt tun kannst
Unabhängig davon, ob du einen Coach holst: Drei Dinge helfen jeder neuen Führungskraft sofort.
- Kläre die Verantwortung, so gut es geht. Rollen im Startup verändern sich ständig. Trotzdem hilft es, kurz festzuhalten: Wofür ist der Teamlead gerade verantwortlich, was entscheidet er oder sie allein?
- Führ ein festes 1:1 ein. 30 Minuten pro Woche zwischen dir und dem neuen Teamlead, nur zu Leadership-Themen.
- Leite Fragen konsequent zurück. Wenn das Team zu dir kommt: „Was sagt dein Teamlead dazu?“
Wie die ersten Monate für die neue Führungskraft selbst aussehen sollten, steht hier: Vom Mitarbeiter zur Führungskraft im Startup: Die ersten 90 Tage als Teamlead.
Gibt es in deinem Team jemanden, für den das passt?
In einem kostenlosen 20-minütigen Fit Call schauen wir, wer Support brauchen könnte und ob ich die Richtige dafür bin.
Häufige Fragen
Was ist Coaching für neue Führungskräfte?
1:1-Coaching für Menschen, die gerade ihre erste Leadership-Rolle übernommen haben oder kurz davor stehen. Über mehrere Wochen wird an echten Situationen gearbeitet: Ex-Peers führen, delegieren, Feedback geben, Entscheidungen treffen.
Wie lange dauert ein Coaching für neue Führungskräfte?
Üblich sind etwa 3 Monate mit 6 bis 10 Sessions, je nach Thema und wie viel die Person verändern will. Ich arbeite mit 8 × 60 Minuten, erst wöchentlich, dann alle zwei Wochen, plus einem Alignment Call am Anfang und einem Feedback Call am Ende.
Wer bezahlt das Coaching, die Firma oder die Führungskraft?
Bei Leadership-Coaching zahlt meist das Unternehmen, weil es direkt von einer besseren Führung im Team profitiert. Die Inhalte der Sessions bleiben trotzdem vertraulich.
Was kostet Startup Coaching für Führungskräfte?
Für Business-Coaching nennt die Rauen Coaching-Marktanalyse 2024 im Schnitt rund 176 Euro pro Stunde, für Führungskräfte werden oft 250 bis 700 Euro genannt. Eine Begleitung über mehrere Monate wird meist als Paket angeboten. Eine Übersicht findest du unter Führungskräfte-Coaching: Kosten und Preise.
Lohnt sich Coaching auch für sehr kleine Startups?
Ja, oft sogar besonders. In kleinen Teams hat eine schwache Führungskraft großen Einfluss, und es gibt keine anderen Strukturen, die das auffangen.
Kann ich als Gründer auch selbst Leadership-Coaching machen?
Ja. Viele Themen sind dieselben: delegieren, Verantwortung abgeben, im Co-Founder-Team gemeinsam entscheiden.