Von außen sieht Gründen oft nach Freiheit aus: eigene Firma, eigene Entscheidungen, eigenes Team. Von innen fühlt es sich für viele anders an. Ich höre von Gründerinnen und Gründern immer wieder denselben Satz: „Ich habe eigentlich niemanden, mit dem ich darüber reden kann.“
Ich war selbst Co-Founderin eines Tech-Startups und habe später Teams von bis zu 10 Mitarbeitenden in B2B-SaaS-Startups geführt. Heute coache ich Gründer, Co-Founder und Führungskräfte in Startups. In diesem Artikel geht es um die Themen, die sie am häufigsten mitbringen, und darum, wann Coaching dabei hilft.
Warum es als Gründer einsam werden kann
- Das Team ist nicht der richtige Ort. Wenn du Zweifel am Kurs hast, kannst du das nicht ungefiltert mit deinem Team teilen. Es braucht dich als jemanden, der Orientierung gibt.
- Investoren sind nicht der richtige Ort. Gegenüber deinem Board oder deinen Investoren musst du Zuversicht zeigen. Unsicherheit wird dort schnell zum Risiko.
- Der Co-Founder ist manchmal Teil des Themas. Wenn es im Gründerteam hakt, fällt genau die Person als Gesprächspartner weg, mit der du sonst alles besprichst.
- Familie und Freunde kennen die Situation nicht. Sie meinen es gut, aber Fragen wie „Warum machst du nicht einfach was anderes?“ helfen selten weiter.
Das Ergebnis: Ausgerechnet die wichtigsten Entscheidungen triffst du oft allein, ohne jemanden, mit dem du sie vorher in Ruhe durchdenken kannst.
Als ehemalige Co-Founderin begleite ich Gründer und Co-Founder als langfristige Sparringspartnerin. Gründer-Coaching ansehen →
Die Themen, mit denen Gründer und Co-Founder ins Coaching kommen
1. Druck von Investoren
Mit einer Finanzierung kommen Erwartungen: Wachstumsziele, Reportings, Board-Meetings. Viele Gründer erleben, dass sich ihr Alltag danach stark verändert. Es geht weniger ums Bauen und mehr ums Liefern von Zahlen. Im Coaching geht es dann zum Beispiel darum, wie du mit diesem Druck umgehst, ohne ihn ungefiltert ans Team weiterzugeben, und wie du gegenüber Investoren klar und souverän auftrittst. Und oft um die Frage, warum das Team nicht so hart arbeitet wie man selbst. Ehrlich gesagt: Es muss nicht, es sind keine Gründer. Aber Verantwortung und Anreize lassen sich so gestalten, dass die Leute mitziehen.
2. Die Rolle passt nicht mehr zu dir
Mit jedem Wachstumsschritt verändert sich deine Rolle. Am Anfang hast du selbst gebaut, verkauft, eingestellt. Bei 30 oder 50 Leuten führst du vor allem Führungskräfte, sitzt in Meetings und kümmerst dich um Strategie und Finanzierung. Manche merken dann: Das ist nicht mehr der Job, für den ich gegründet habe.
Gleichzeitig fühlen sich viele verpflichtet weiterzumachen, gegenüber Investoren, dem Team oder durch Vereinbarungen wie ein Vesting. Im Coaching kannst du offen sortieren: Was genau passt nicht mehr? Lässt sich die Rolle verändern, zum Beispiel durch eine neue Aufteilung im Gründerteam oder eine zusätzliche Führungskraft? Und welche Optionen hast du wirklich?
3. Co-Founder ohne Geschäftsführung
Nicht alle Gründer sind auch Geschäftsführer. Wer Co-Founder ist, aber nicht in der Geschäftsführung sitzt, hat oft weniger formale Macht, obwohl er oder sie das Unternehmen mit aufgebaut hat. Typische Fragen sind dann: Wie wichtig bin ich hier eigentlich noch? Wie bekomme ich Einfluss ohne Titel? Wie gehe ich damit um, dass andere entscheiden? Zuletzt hörte ich zweimal kurz hintereinander: „Ich wäre die bessere Besetzung als CEO.“
Das sind keine Kleinigkeiten. Sie betreffen Identität, Motivation und am Ende auch, ob jemand bleibt. Im Coaching arbeitest du daran, wie du deine Rolle für dich klärst, wie du sie mit deinem Gründerteam besprichst und wie du Wirkung entfaltest, auch ohne formale Position.
4. Konflikte im Gründerteam
Unterschiedliche Vorstellungen von Tempo, Richtung oder Verantwortung gehören zum Gründen dazu. Schwierig wird es, wenn die Konflikte nicht mehr ausgesprochen werden. Coaching kann dir helfen, die eigene Position zu klären, bevor du ins Gespräch gehst. Wenn beide offen dafür sind, kann auch ein gemeinsames Coaching als Gründerteam sinnvoll sein.
5. Loslassen und delegieren
Viele Gründer bleiben zu lange in allem drin, was sie selbst aufgebaut haben. Das Unternehmen wächst, aber jede Entscheidung läuft weiter über ihren Tisch. Coaching hilft dir zu klären, was du abgeben kannst, wem, und wie du deine Führungskräfte so stärkst, dass sie wirklich übernehmen. Wie das bei neuen Teamleads aussieht, steht in Coaching für neue Führungskräfte im Startup.
Coaching, Board oder Therapie: Was hilft wann?
| Gut für | Grenze | |
|---|---|---|
| Coaching | eigene Themen vertraulich sortieren, Entscheidungen vorbereiten, Rolle und Führung entwickeln | ersetzt keine Fachberatung, etwa zu Recht oder Finanzierung |
| Board und Investoren | strategische Fragen, Netzwerk, Finanzierung | kein neutraler Raum für Zweifel |
| Therapie | psychische Belastung, Erschöpfung, Burnout | nicht für Business-Fragen gedacht |
Wenn du merkst, dass du dauerhaft erschöpft bist, schlecht schläfst oder dich nichts mehr freut, ist Coaching nicht der richtige erste Schritt. Dann sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt oder mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten.
Woran du einen guten Coach für Gründer erkennst
- Erfahrung aus Startups. Jemand, der selbst gegründet oder in Startups geführt hat, versteht deine Situation ohne lange Erklärungen.
- Absolute Vertraulichkeit. Gerade bei Themen rund um Investoren, Co-Foundernen oder die eigene Rolle ist das Grundvoraussetzung.
- Kein Interesse an deinem Cap Table. Ein Coach sollte unabhängig sein und nicht gleichzeitig investieren oder dir etwas anderes verkaufen wollen.
- Flexibles Format. Gründer brauchen oft keinen festen Wochenrhythmus, sondern einen Sparringspartner, wenn es brennt. Ein Retainer passt dafür häufig besser als ein festes Programm. Mehr zu Formaten und Kosten: Was kostet Leadership Coaching im Startup?
Wie ich mit Gründern und Co-Founders arbeite
Ich war selbst Co-Founderin und habe Teams in Startups geführt. Mit Gründer arbeite ich meist als Sparringspartnerin: entweder über einen festen Zeitraum zu einem konkreten Thema, etwa einer Rollenveränderung im Gründerteam, oder laufend als Retainer, wenn du einen festen Ansprechpartner für schwierige Entscheidungen willst. Remote oder in Berlin, auf Deutsch, Englisch oder Spanisch. Woran Gründer und Führungskräfte mit mir gearbeitet haben, siehst du in meinen Leadership Stories. Als Startup Coach in Berlin arbeite ich mit Gründern vor Ort oder online in ganz Deutschland.
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Häufige Fragen
Was ist Coaching für Gründer?
Coaching für Gründer und Co-Founder ist ein vertraulicher Raum, um eigene Themen zu sortieren: Druck von Investoren, Rollenveränderungen, Konflikte im Gründerteam, Führung und Delegation. Ziel ist, dass du deine eigene Antwort findest und gut vorbereitet in Gespräche mit Team, Co-Founder oder Investoren gehst.
Warum fühlen sich viele Gründer einsam?
Weil die wichtigsten Themen oft mit niemandem besprochen werden können: Das Team braucht Orientierung, Investoren erwarten Zuversicht, und Familie oder Freunde kennen die Situation nicht. Wenn es im Gründerteam hakt, fällt auch noch der wichtigste Gesprächspartner weg.
Was kann ich als Co-Founder ohne Geschäftsführung tun?
Kläre zuerst für dich, welche Rolle und welchen Einfluss du dir wünschst. Dann sprich das offen im Gründerteam an. Einfluss entsteht nicht nur über einen Titel, sondern auch über Verantwortung für klare Bereiche, Beziehungen und Wirkung im Unternehmen.
Was tun, wenn meine Rolle als Gründer nicht mehr zu mir passt?
Erst einmal genau hinschauen, was nicht mehr passt: die Aufgaben, die Verantwortung, das Tempo oder die Richtung. Oft lässt sich die Rolle verändern, zum Beispiel durch eine neue Aufteilung im Gründerteam oder zusätzliche Führungskräfte. Coaching hilft, die Optionen in Ruhe zu sortieren, bevor du sie mit Gründerteam oder Investoren besprichst.
Ist Coaching für Gründer das Gleiche wie Therapie?
Nein. Coaching ist für berufliche Themen und Entscheidungen gedacht. Bei dauerhafter Erschöpfung, Schlafproblemen oder Anzeichen von Burnout ist ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung der richtige Weg.