Kameras aus, alle starren auf ihre Folien, und auf die Frage „Noch Fragen?“ kommt Stille. Wer Remote-Teams führt, kennt diese Meetings. Im Büro unterhält man sich zwischendurch in der Kaffeeküche und scherzt vor den Meetings rum. Remote fehlt das, wenn du es nicht bewusst einplanst.
Ich habe in meinen Teams vieles ausprobiert. Hier sind die Formate, die bei uns wirklich funktioniert haben, und wofür sie gut sind.
Warum sich das lohnt
- Energie: Wer gelacht hat, ist wach und bringt sich mehr ein.
- Stimmung sichtbar machen: Remote siehst du nicht, wenn jemand einen schlechten Tag hat. Ein kurzer Check-in am Morgen zeigt es dir.
- Beziehung: Teams, die sich als Menschen kennen, lösen Konflikte leichter und helfen sich mehr.
- Sicherheit: Wer schon einmal etwas Lustiges gesagt hat, traut sich eher, auch Kritisches zu sagen.
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1. Check-ins: Wie geht es dir wirklich?
Ein Check-in am Anfang des Meetings dauert zwei, drei Minuten und gibt dir als Führungskraft wertvolle Informationen.
Welche Katze bist du heute?
Ich habe oft ein Bild mit sechs Katzen in unterschiedlichen Stimmungen geteilt, von entspannt bis völlig gestresst, und gefragt: Welche Katze bist du heute? Das ist eine Variante des klassischen Stimmungsbarometers aus dem agilen Arbeiten, nur mit mehr Humor und passender für die Gen Z. Statt Katzen gehen genauso Hunde, Pandas oder was immer zu deinem Team passt. Jeder antwortet in einem Satz. Du merkst sofort, wer gerade unter Druck steht, und kannst später im 1:1 nachfragen. Mehr dazu in 1:1-Meetings als Teamlead.
Guess the Desk
Alle schicken vorab ein Foto ihres Schreibtischs, und das Team rät, wem welcher gehört. Das dauert fünf Minuten, sorgt für Lacher und erzählt viel über die Menschen: Wer hat Kinder, wer arbeitet am Küchentisch, wer hat drei Bildschirme? Meine Teams haben das geliebt. Wir haben es danach abgewandelt: Guess the Lunch, Guess the Entrance und viele weitere Varianten.
2. Fünf Minuten Spiel vor Workshops
Vor längeren Workshops habe ich oft fünf Minuten ein kurzes Online-Spiel gespielt. Danach sind alle wach, lockerer und bringen sich mehr ein.
- Zeichnen und raten: Eine Person zeichnet einen Begriff, die anderen raten. Dafür gibt es kostenlose Online-Spiele, die ohne Anmeldung im Browser laufen.
- Wer schafft es am schnellsten? Gerade bei ungeliebten Aufgaben hilft ein kleiner Wettbewerb. Wer hat zuerst seine Tickets aufgeräumt, seine Daten gepflegt, seine Stunden eingetragen? Aus einer lästigen Pflicht wird ein kurzer Sprint.
Wichtig: Spiele sind ein Angebot, kein Zwang. Halte sie kurz und lass Leute, die nicht mitspielen wollen, einfach zuschauen. Bei mir in den Teams wollte immer jeder mitmachen.
3. Probleme gemeinsam angehen: Die Sailboat-Retro
Wenn es im Team hakt, nutze ich gern die Sailboat-Retrospektive. Auf einem Online-Whiteboard ist ein Segelboot zu sehen:
- Wind: Was treibt uns an?
- Anker: Was bremst uns?
- Felsen: Welche Risiken sehen wir vor uns?
- Insel: Wo wollen wir hin?
Jeder schreibt eigene Punkte auf, dann sortiert ihr gemeinsam und sucht nach Lösungen. Ein Tipp aus meiner Praxis: Frag auch, was das Team als deine Aufgabe als Führungskraft sieht. Was soll ich tun, damit wir den Anker loswerden? So holst du die Verantwortung auf eine gemeinsame Ebene, und das Team merkt, dass du nicht nur Erwartungen an sie hast, sondern auch an dich selbst.
4. Wertschätzung zum Jahresende: Der Team-Rückblick
Eines meiner liebsten Formate ist ein Jahresrückblick auf einem Online-Whiteboard wie Miro:
- Für jede Person im Team gibt es eine Spur mit einem kleinen Auto, vom Start im Januar bis zum Jahresende.
- Neben jedem Auto steht, was diese Person im Jahr geschafft hat.
- Dann dürfen alle bei allen ergänzen, was ihnen noch einfällt: Projekte, Hilfe, kleine Momente.
Das Ergebnis: Jede Person sieht auf einen Blick, wie viel sie erreicht hat, und bekommt Lob nicht nur von der Führungskraft, sondern vom ganzen Team. Alle gehen mit einem guten Gefühl aus dem Meeting. Für den Teamzusammenhalt ist das eines der wirkungsvollsten Formate, die ich kenne.
Damit es nicht albern wirkt
- Hol dir das Go vom Team. Ich habe meinem Team vorher gesagt, was ich gern ausprobieren möchte. Wenn es nicht gefällt, machen wir es nicht wieder oder passen es an. So machen alle mit, weil es ihr Format ist und nicht deins.
- Jedes Format braucht einen Zweck. Energie, Stimmung, Problemlösung oder Wertschätzung. Sag ruhig, warum ihr das macht.
- Kurz halten. Fünf Minuten Spiel, nicht dreißig.
- Freiwilligkeit respektieren. Nicht jeder mag Spiele. Mitmachen darf, muss aber nicht.
- Passend zur Situation. Nach einer Kündigungswelle ist kein Platz für Spiele. Dann zählen Ehrlichkeit und Gespräche, siehe Layoffs im Startup.
Mehr zu den Grundlagen in Remote-Team führen im Startup.
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Häufige Fragen
Wie bringe ich mehr Energie in Remote-Meetings?
Mit einem kurzen Check-in am Anfang, gelegentlich fünf Minuten Spiel vor längeren Workshops, interaktiven Formaten wie einer Sailboat-Retro und regelmäßigen Momenten der Wertschätzung, zum Beispiel einem Jahresrückblick.
Was ist ein guter Check-in für Remote-Teams?
Zum Beispiel ein Bild mit Tieren in verschiedenen Stimmungen als Abwandlung des klassischen Stimmungsbarometers, bei dem jeder sagt, wie er sich heute fühlt, oder das Spiel „Guess the Desk“, bei dem das Team rät, wem welcher Schreibtisch gehört.
Was ist eine Sailboat-Retrospektive?
Ein Format, bei dem das Team auf einem Whiteboard sammelt, was es antreibt (Wind), was es bremst (Anker), welche Risiken es gibt (Felsen) und wo es hin will (Insel), und daraus Lösungen ableitet.
Sind Spiele in Meetings unprofessionell?
Nicht, wenn sie kurz sind, einen klaren Zweck haben und freiwillig bleiben. Sie sorgen für Energie, Vertrauen und offenere Gespräche.