Der CEO hat eine klare Rolle. Er vertritt das Startup nach außen, spricht mit Investoren und trägt am Ende die Verantwortung. Aber was machst du als Co-Founder oder Mitgründer, wenn du nicht CEO bist? Am Anfang ist das egal, alle machen alles. Mit dem Wachstum wird die Frage immer lauter.
Warum die Co-Founder-Rolle mit dem Wachstum unklar wird
In der Gründungsphase verteilt sich die Arbeit fast von selbst: Einer baut das Produkt, eine verkauft, einer kümmert sich um Finanzen. Dann kommen Mitarbeitende, Führungskräfte und Spezialisten, die in ihrem Bereich besser sind als du. Plötzlich ist nicht mehr klar, wofür du eigentlich zuständig bist.
Du bist dann irgendwo zwischen einer normalen Führungsposition und dem CEO. Du hast mitgegründet, hältst Anteile und trägst Verantwortung, aber wie viel Autorität du im Alltag wirklich hast, ist oft nur ungefähr abgesprochen.
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Typische Gedanken von Co-Foundern ohne CEO-Rolle
Diese Sätze höre ich im Coaching immer wieder, in ganz unterschiedlichen Startups:
- „Was ist eigentlich meine Rolle?“ Beim CEO ist es klar, aber du stehst irgendwie daneben.
- „Meine Rolle hat sich in eine Richtung entwickelt, die mir nicht mehr gefällt.“ Und du weißt nicht, wie du sie so anpasst, dass sie wieder passt.
- „Ich würde viele Entscheidungen besser treffen.“ Manchmal bis hin zu: „Ich wäre eigentlich die bessere Besetzung als CEO.“
- „Warum ist er CEO, wenn er bei allen strategischen Fragen sowieso zu mir kommt?“
- „Ich arbeite mehr, aber er hält mehr Anteile.“ Und irgendwann das Gefühl, in erster Linie für jemand anderen zu arbeiten.
- „Ich würde gehen, aber die Anteile halten mich.“ Vesting und Leaver-Klauseln machen den Ausstieg teuer.
Wenn du dich in mehreren davon wiederfindest: Das ist nicht nur in deinem Kopf. Es ist eine der häufigsten Spannungen in Gründerteams, die mehrere Jahre zusammenarbeiten.
Co-Founder, CEO, Führungskraft: Was ist der Unterschied?
| CEO | Co-Founder ohne CEO-Rolle | Führungskraft | |
|---|---|---|---|
| Anteile | Ja | Ja | Selten, eher ESOP |
| Typischer Titel | CEO, Geschäftsführung | CTO, COO, CPO, CMO, manchmal „Head of …“, oft auch Mit-Geschäftsführung | Head of, Teamlead |
| Entscheidungen | Letztes Wort im Tagesgeschäft | Im eigenen Bereich, große Entscheidungen gemeinsam als Gesellschafter | Im eigenen Bereich |
| Rolle | Klar definiert | Verschiebt sich mit dem Wachstum, vor allem wenn erfahrene Leute über oder neben dir eingestellt werden | Klar definiert |
In vielen Startups ist die Rolle anfangs klar: Eine Co-Founderin ist CTO, einer COO, und für den eigenen Bereich entscheiden sie selbst. Unklar wird es mit dem Wachstum, wenn erfahrene Führungskräfte dazukommen, wenn sich Bereiche überschneiden oder wenn der Titel nicht mehr zu dem passt, was du tatsächlich tust. Du trägst dann das Risiko einer Gründerin oder eines Gründers, aber wie weit deine Entscheidungsmacht reicht, ist nicht mehr eindeutig.
Was dir hilft: 5 Schritte zu einer Rolle, die wieder passt
- Leg die Themen auf den Tisch. Das klingt banal, ist aber der wichtigste Schritt. Viele Co-Founder tragen ihre Fragen jahrelang mit sich herum, ohne sie anzusprechen. Wie ihr das Gespräch gut führt, steht in Rollen im Gründerteam klären.
- Kläre, was du eigentlich willst. In diesem Unternehmen, aber auch generell. Willst du strategisch arbeiten, ein Team führen, wieder näher ans Produkt? Erst wenn du das weißt, kannst du deine Rolle gezielt verändern.
- Schneide deine Rolle neu zu. Welche Teile willst du stärker in deine Rolle holen, und was gibst du lieber ab? Eine Rolle muss nicht so bleiben, wie sie in der Gründungsphase entstanden ist.
- Akzeptiere, dass andere in manchen Bereichen besser sind. Wenn das Startup gut läuft, stellt es Spezialisten ein, die mehr können als du. Die sollten in ihrem Bereich auch entscheiden.
- Entwickle dich als Führungskraft weiter. Deinen Bereich gezielt ausbauen, klarer kommunizieren, souveräner auftreten, gerade wenn das Startup nach außen sichtbarer wird. Das stärkt deine Rolle mehr als jeder Titel.
Wenn sich Anteile und Einsatz ungleich anfühlen
Die Anteile werden meist ganz am Anfang verteilt, als noch niemand wusste, wer später wie viel einbringt. Nachträglich ändert man sie in der Praxis kaum. Jahre später arbeitet vielleicht einer deutlich mehr, während der andere mehr Anteile hält, und irgendwann entsteht das Gefühl, in erster Linie für jemand anderen zu arbeiten.
Wenn sich an den Anteilen nichts ändert, bleibt die Frage, wie du damit umgehst: Kannst du deine Rolle so gestalten, dass sich dein Einsatz für dich wieder sinnvoll anfühlt? Im Coaching geht es darum, für dich zu klären, was du willst, bevor du handelst.
Wenn sich daraus ein echter Konflikt entwickelt, hilft dir Konflikte im Gründerteam.
Wie Sparring für Co-Founder anders aussieht als für den CEO
Beim CEO geht es im Sparring oft um Investoren, Wachstum und die Frage, wie er oder sie in die Rolle hineinwächst. Mehr dazu in Vom Gründer zum CEO. Bei Co-Foundern ohne CEO-Rolle stehen andere Fragen im Vordergrund:
- Wie viel Einfluss habe ich, und wie bekomme ich mehr, ohne CEO-Rolle?
- Wie spreche ich mit dem CEO über meine Rolle, ohne dass es nach Machtkampf klingt?
- Wie baue ich meinen Bereich weiter aus und entwickle mich selbst als Führungskraft?
- Wie trete ich auf und kommuniziere ich, wenn das Startup nach außen sichtbarer wird?
- Bleibe ich, verändere ich meine Rolle, oder gehe ich?
Mit diesen Fragen kannst du selten jemanden im Unternehmen sprechen. Mit dem Team nicht, mit Investoren auch nicht, und mit dem CEO nur bedingt. Genau dafür ist ein Sparring von außen da.
Du bist Co-Founder und deine Rolle passt nicht mehr?
Im Co-Founder Sparring sortieren wir, was du willst, und bereiten das Gespräch mit deinem Gründerteam vor, in Berlin vor Ort oder online. Im kostenlosen 20-minütigen Fit Call schauen wir, wo du stehst.
Häufige Fragen
Was ist die Rolle eines Co-Founders, der nicht CEO ist?
Meist verantwortet ein Co-Founder einen großen Bereich, oft mit C-Level-Titel wie CTO, COO oder CPO, und ist häufig auch Mit-Geschäftsführer. Im eigenen Bereich entscheidet er selbst, große Entscheidungen treffen die Gründer gemeinsam. Mit dem Wachstum verschiebt sich die Rolle, deshalb sollte sie im Gründerteam regelmäßig neu geklärt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Co-Founder und CEO?
Beide haben mitgegründet und halten meist Anteile. Der CEO führt das Unternehmen als Ganzes, vertritt es nach außen und trifft die letzte Entscheidung. Die Rolle der anderen Co-Founder ist weniger klar geregelt und hängt von Absprachen und Gesellschaftervertrag ab.
Was tun, wenn ich als Co-Founder mehr arbeite, aber weniger Anteile habe?
Anteile werden nachträglich selten geändert. Kläre deshalb für dich, ob du deine Rolle so gestalten kannst, dass sich dein Einsatz wieder stimmig anfühlt, oder ob ein Ausstieg die bessere Option ist. Für Fragen zu Vesting und Leaver-Klauseln solltest du eine Anwältin oder einen Anwalt hinzuziehen.
Kann ein Co-Founder auch Geschäftsführer sein?
Ja. In einer GmbH können mehrere Gründer gleichzeitig Geschäftsführer sein, auch wenn nur einer den Titel CEO trägt. Wie die Verantwortung zwischen ihnen verteilt ist, regeln Gesellschaftervertrag, Geschäftsordnung und Absprachen im Gründerteam.
Was tun, wenn ich denke, ich wäre der bessere CEO?
Prüf zuerst ehrlich, woher der Gedanke kommt: Geht es um konkrete Entscheidungen, um fehlende Anerkennung oder darum, dass deine eigene Rolle nicht mehr passt? Danach kannst du entscheiden, ob du mehr Verantwortung in deinem Bereich willst, die Aufgabenteilung im Gründerteam ansprechen möchtest oder wirklich die CEO-Rolle anstrebst.
Wann sollte ein Co-Founder das Startup verlassen?
Wenn die Rolle trotz offener Gespräche dauerhaft nicht mehr zu dir passt, du nicht mehr hinter der Richtung stehst oder das Gründerteam nicht mehr zusammenarbeiten kann. Vor einem Ausstieg lohnt sich ein Blick auf Vesting und Leaver-Klauseln mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
Hilft Coaching für Co-Founder?
Ja, besonders wenn deine Rolle unklar ist oder du überlegst, sie zu verändern. Im Coaching klärst du, was du willst, und bereitest Gespräche mit deinem Gründerteam vor, mit jemandem, der nicht Teil des Unternehmens ist.