Du bist jetzt Teamlead. In einem Tech-Startup, in dem die meisten Führungskräfte Männer sind. Vielleicht bist du die einzige Frau im Leadership-Meeting. Und du merkst: Vieles, was in Führungsratgebern steht, fühlt sich für dich anders an.
Wichtig vorweg: Was ich hier beschreibe, sind Muster, die ich in meiner Arbeit mit Frauen in Startups und aus meiner eigenen Zeit als Führungskraft kenne. Nicht jede Frau erlebt alles davon, und manches erleben auch Männer.
Was viele Frauen in der ersten Führungsrolle erleben
Zu hart oder zu weich: die Wahrnehmungsfalle
Treten Frauen klar und bestimmt auf, gelten sie schnell als „zu hart“. Sind sie zugewandt, gelten sie als „nicht durchsetzungsstark genug“. Das ist nicht nur ein Gefühl: Eine Studie der Organisation Catalyst hat gezeigt, dass Frauen in Führung oft entweder als zu weich oder als zu hart wahrgenommen werden, selten als „genau richtig“, während dasselbe Verhalten bei Männern anders bewertet wird. Viele Frauen verbringen deshalb viel Energie damit, den richtigen Ton zu finden.
Unsichtbare Arbeit
Onboarding organisieren, Konflikte moderieren, Protokoll schreiben, das Offsite planen. Diese Aufgaben landen auffällig oft bei Frauen, werden aber selten als Führungsleistung gesehen. Forscherinnen um Linda Babcock haben in Experimenten gezeigt, dass Frauen häufiger um solche „nicht beförderungsrelevanten“ Aufgaben gebeten werden und sie auch häufiger übernehmen als Männer (American Economic Association).
Selbstzweifel
„Bin ich wirklich gut genug für die Rolle?“ Diese Frage stellen sich viele neue Führungskräfte. Beschrieben wurde das Phänomen zuerst 1978 von den Psychologinnen Clance und Imes in einer Studie über erfolgreiche Frauen. Spätere Forschung zeigt, dass auch Männer betroffen sind, aber viele Frauen erleben es besonders deutlich. Mehr dazu in Imposter-Syndrom als neue Führungskraft.
Allein im Raum
Wenn du die einzige Frau im Meeting bist, wirst du oft als Stellvertreterin für alle Frauen gesehen. Das ist anstrengend.
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Was dir hilft
- Finde deinen eigenen Führungsstil. Du musst nicht so führen wie die Gründer oder die anderen Führungskräfte. Gute Führung sieht sehr unterschiedlich aus.
- Kommuniziere klar. Klar heißt nicht hart. Sag, was du erwartest, was du entschieden hast und warum. Ein hilfreiches Modell dafür ist Radical Candor von Kim Scott: persönlich zugewandt sein und gleichzeitig direkt Klartext reden.
- Mach deine Arbeit sichtbar. Erzähl in Leadership-Meetings, was dein Team erreicht hat und welche Probleme du gelöst hast.
- Sag Nein zu unsichtbarer Arbeit, oder verteile sie fair im Team.
- Bau dir ein Netzwerk auf. Andere Frauen in Führung, innerhalb und außerhalb des Startups. Der Austausch hilft enorm.
- Hol dir Unterstützung in den ersten Monaten, durch Mentoring oder Coaching. Die ersten Monate prägen, wie du als Führungskraft wahrgenommen wirst. Mehr dazu in Die ersten 90 Tage als Teamlead.
Für Gründer: Was ihr tun könnt
Wenn ihr mehr Frauen in Führung wollt, reicht es nicht, sie zu befördern. Setzt euch mit unbewussten Vorurteilen (Unconscious Bias) auseinander: Wird klares Auftreten bei Frauen anders bewertet als bei Männern? Achtet darauf, wer die unsichtbare Arbeit macht, wie Feedback formuliert wird und ob neue Führungskräfte Unterstützung bekommen.
Du bist als Frau neu in der Führungsrolle?
In meinem Leadership Coaching über 3 Monate arbeiten wir an deinem eigenen Führungsstil, schauen, wie du deine Stärken für die Führung nutzen kannst, und arbeiten an deinen echten Situationen. Im kostenlosen 20-minütigen Fit Call schauen wir, ob das für dich passt.
Häufige Fragen
Was ist für Frauen in der ersten Führungsrolle besonders schwierig?
Häufig die Wahrnehmungsfalle zwischen „zu hart“ und „zu weich“, die auch in Studien belegt ist, mehr unsichtbare Arbeit, stärkere Selbstzweifel und die Situation, oft die einzige Frau im Raum zu sein.
Wie finde ich als Frau meinen Führungsstil?
Indem du nicht andere kopierst, sondern auf deinen Stärken aufbaust, klar kommunizierst und dir Feedback und Austausch holst, zum Beispiel über ein Netzwerk oder Coaching.
Was ist unsichtbare Arbeit?
Aufgaben, die wichtig für das Team sind, aber selten als Leistung anerkannt werden, etwa Onboarding organisieren, Konflikte moderieren oder Events planen.
Wie können Startups Frauen in Führung unterstützen?
Indem sie sich mit unbewussten Vorurteilen auseinandersetzen, auf faire Verteilung unsichtbarer Arbeit achten, Feedback reflektieren und neuen Führungskräften gezielt Unterstützung wie Mentoring oder Coaching geben.