Du arbeitest in einem Startup. Der Job ist gut, der Titel auch. Vielleicht bist du Head of Marketing, Product Managerin oder führst ein kleines Team. Von außen sieht alles nach Erfolg aus.
Und trotzdem fühlt es sich nicht mehr richtig an. Du weißt nur nicht genau, warum, und noch weniger, was stattdessen.
Viele Frauen, mit denen ich arbeite, nennen das ihre „Midlife Crisis mit 30“. In diesem Artikel geht es darum, was dahintersteckt und was du tun kannst.
Gibt es eine Midlife Crisis mit 30 überhaupt?
Klassisch wird die Midlife Crisis eher um die 40 oder später verortet. Auch die Forschung zur Lebenszufriedenheit sieht den Tiefpunkt im Durchschnitt eher in der Lebensmitte (Blanchflower 2021). Für Mitte 20 bis Anfang 30 gibt es den Begriff „Quarter-Life Crisis“.
Für das Gefühl selbst ist der Name aber zweitrangig. Was viele Frauen Anfang bis Mitte 30 erleben, ist eine echte Neubewertung: Passt mein Berufsleben noch zu mir, oder nur zu dem, was ich mit Anfang 20 wollte?
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Woran du sie erkennst
- Du bist gut in deinem Job, aber er gibt dir keine Energie mehr.
- Die nächste Beförderung reizt dich nicht, obwohl sie „dran“ wäre.
- Du scrollst abends durch Stellenanzeigen, ohne zu wissen, wonach du eigentlich suchst.
- Du fragst dich, ob du das, was du tust, noch zehn Jahre machen willst.
- Alle denken, bei dir läuft's. Deshalb sprichst du kaum darüber.
Warum Startups das verstärken
Ich habe selbst lange in Startups gearbeitet, als Co-Founderin und in der Leitung von Marketing-Teams. Vieles daran liebe ich bis heute. Aber Startups haben ein paar Eigenschaften, die diese Krise verstärken können:
- Tempo: Es gibt immer das nächste Ziel, den nächsten Launch, die nächste Runde. Zeit, um innezuhalten, gibt es kaum.
- Identität: Im Startup ist der Job oft mehr als ein Job. Wenn er nicht mehr passt, wackelt mehr als nur die Arbeit.
- Unsicherheit: Umstrukturierungen, Layoffs, Pivots. Viele schieben ihre eigenen Fragen auf, weil gerade sowieso alles unsicher ist.
- Schnelle Karrieren: Wer früh viel Verantwortung bekommen hat, ist mit Anfang 30 manchmal schon da, wo andere mit 40 sind. Und fragt sich: Und jetzt?
- Wenig Vorbilder: Es gibt wenige Menschen, die zeigen, wie eine Karriere im Startup mit 35, 40 oder mit Familie aussieht.
Was eigentlich dahintersteckt
Oft geht es gar nicht um den Job an sich, sondern um den Plan dahinter. Viele Karrieren folgen Regeln aus den 20ern: mehr arbeiten, Titel sammeln, aufsteigen. In den 30ern ändern sich die Prioritäten, die Regeln aber nicht. Mehr dazu in Mit 18 die falsche Karriere gewählt?
Typische Auslöser sind:
- Neue Prioritäten wie Familie, Gesundheit oder Zeit
- Eine Rolle, die mit dem Startup gewachsen ist, aber nicht mehr zu dir passt
- Das Gefühl, für die Ziele anderer zu arbeiten
- Erschöpfung nach Jahren im Dauersprint
Was du jetzt tun kannst
- Nicht sofort kündigen. Der Impuls ist verständlich, aber selten die beste erste Antwort. Erst verstehen, dann entscheiden.
- Genau benennen, was nicht passt. Ist es der Inhalt, das Tempo, das Team, die Branche, deine Rolle oder die Art zu arbeiten? Jede Antwort führt woandershin.
- Aufschreiben, was du behalten willst. Vieles an deiner Arbeit ist wahrscheinlich gut. Das gehört in deine nächste Rolle mit.
- Richtungen an echten Jobs testen. Such dir drei Stellenanzeigen, die dich reizen, und geh sie Zeile für Zeile durch. Was bringst du schon mit, wo ist eine Lücke, was überrascht dich?
- Mit Menschen sprechen, die es schon gemacht haben. Ein Gespräch mit jemandem in einer Rolle, die dich interessiert, bringt oft mehr als wochenlanges Grübeln.
Wann sich Unterstützung lohnt
Wenn du dich seit Monaten im Kreis drehst, hilft es, die Gedanken mit jemandem von außen zu sortieren. Nicht weil du es nicht allein könntest, sondern weil es schneller geht und du nicht um 23 Uhr allein grübeln musst.
Du willst herausfinden, was als Nächstes kommt?
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Häufige Fragen
Kann man mit 30 eine Midlife Crisis haben?
Im klassischen Sinn wird die Midlife Crisis eher später verortet, für Mitte 20 bis Anfang 30 spricht man auch von Quarter-Life Crisis. Das Gefühl, dass der Beruf nicht mehr passt, kennen aber viele Frauen schon mit Anfang 30.
Woran erkenne ich eine Midlife Crisis im Job?
Typisch ist, dass der Job auf dem Papier gut ist, sich aber nicht mehr richtig anfühlt: wenig Energie, keine Lust auf die nächste Beförderung, ständiges Grübeln, ob es das sein soll.
Soll ich bei einer Midlife Crisis kündigen?
Nicht als erste Reaktion. Erst herausfinden, was genau nicht passt, und mögliche Richtungen testen. Danach lässt sich viel besser entscheiden, ob ein Wechsel, eine andere Rolle oder etwas ganz anderes richtig ist.
Warum ist die Krise im Startup oft stärker?
Weil Tempo, Unsicherheit und eine starke Identifikation mit dem Job wenig Raum lassen, die eigenen Fragen zu klären. Dazu kommen schnelle Karrieren, nach denen sich früh die Frage „und jetzt?“ stellt.
Wie finde ich heraus, was ich beruflich will?
Indem du benennst, was dir Energie gibt und was nicht, deine Non-Negotiables klärst und neue Richtungen an echten Stellenanzeigen und Gesprächen testest, statt nur nachzudenken.